THEMA COMPLIANCE

Einsatz von Werbeartikeln unter Compliance-Aspekten

Das volle Potential des Werbeartikels – dieser überlegeneren Werbeform, die insbesondere auch kleineren und mittelständischen Unternehmen ein äußerst effizientes Werbemedium bietet – kann durch die Anwendung überzogener Compliance-Regeln nicht ausgeschöpft werden.

Aber auch unter Compliance-Aspekten sind Werbeartikel völlig unproblematisch. Werbeartikel sind eine als gegenständliche Werbeträger anerkannte Werbeform und keine Geschenke im Sinne einer persönlichen Zuwendung, daher nicht geeignet, ihren Empfänger in unlauterer Weise zu beeinflussen. Dies bestätigen auch alle gängigen Compliance- Leitlinien. Deshalb ist es so wichtig, die Diskussion mit den Compliance-Beauftragten zu suchen, um sie auf das Missverständnis „Compliance contra Werbeartikel“ anzusprechen und für Aufklärung zu sorgen. Der GWW Gesamtverband der Werbeartikel-Wirtschaft e.V. hat zur Aufklärung einen entsprechenden Compliance Leitfaden veröffentlicht.

Die wichtigsten Fragen zum Thema beantworten uns die Experten Herr Prof. Dr. Hans Rück, Mitglied des Deutschen Instituts für Compliance (DICO) e.V., und Herr Frank Dangmann, Vorsitzender des Vorstands GWW e.V.

THEMA COMPLIANCE

5 Fragen – 5 Antworten vom Experten

Prof. Dr. Hans Rück

Hochschule Worms, maßgeblicher Experte in Deutschland für Compliance in Marketing und Vertrieb

Frank Dangmann

Präsident des Gesamtverband der Werbeartikel-Wirtschaft e.V. (GWW)

Sind Werbe- und Streuartikel unter Compliance-Aspekten problematisch?

Prof. Dr. Hans Rück: Nein, das sind sie nicht! Aus Compliance-Sicht gelten Werbe- und Streuartikel bis zu einem Gegenwert von 50 Euro als „kleinere Aufmerksamkeiten“ und bei gelegentlichem Einsatz als unproblematisch. Dies besagt auch der „Kodex zur Abgrenzung von legaler Kundenpflege und Korruption“ des renommierten Arbeitskreises Corporate Compliance. Leider werden Werbe- und Streuartikel oft als Geschenke missverstanden.

Gibt es eine gesetzlich festgelegte Wertobergrenze für Werbe- und Streuartikel?

Prof. Dr. Hans Rück: Nein, es gibt in Deutschland keine gesetzlich festgelegte Wertobergrenze für Werbe- und Streuartikel. Gleiches gilt übrigens für Geschenke und Zuwendungen ganz allgemein.

Sind die steuerrechtlich gültigen Wertobergrenzen relevant für die Compliance von Werbe- und Streuartikeln?

Prof. Dr. Hans Rück: Nein! Die steuerrechtlich gültigen Wertobergrenzen für Werbe- und Streuartikel werden häufig mit dem Compliance- Argument vermengt. Tatsächlich hat beides nichts miteinander zu tun: Die 35-Euro- Grenze bezieht sich auf die steuerliche Absetzbarkeit von Zuwendungen an Geschäftspartner. Die 10-Euro-Grenze bezieht sich auf die steuerliche Einzelnachweispflicht. Beide Wertgrenzen sind für die Compliance bedeutungslos, auch wenn sie von Kunden oft in diesem Zusammenhang genannt werden.

Wie grenzt sich der Werbeartikel von einem Geschenk ab?

Frank Dangmann: Hier gibt es einen großen Unterschied! Die Beweggründe für das Überreichen eines Geschenks oder Werbeartikels sind völlig unterschiedlicher Natur. Ein Geschenk überreicht man aufgrund eines persönlichen Anlasses. Der Einsatz von Werbeartikeln ist betrieblich veranlasst. Bei gegenständlichen Werbeträgern handelt es sich um ein Kommunikationsmedium. Werbeartikel sind häufig massenhaft hergestellte, mit Werbebotschaft versehene Produkte von meist geringem Wert. Daher sind sie auch nicht geeignet, den Empfänger in unlauterer Weise zu beeinflussen. Sie sind haptische Werbung und sollen Werbebotschaften transportieren. Werbe- und Streuartikel sind keine „Werbegeschenke“, sondern eine höchst effiziente Werbeform.

Es gibt Kunden die argumentieren, Werbeartikel könnten das Entscheidungsverhalten der Empfänger beeinflussen und wären deshalb für Compliance relevant?

Frank Dangmann: Natürlich haben Werbeartikel den Zweck, wie jede andere Werbung auch, das Entscheidungsverhalten des Empfängers zu beeinflussen – indem sie die Werbebotschaft, eine Marke oder ein Unternehmen bei jedem Kontakt wieder ins Gedächtnis rufen. Und dabei sind Werbeartikel vielen anderen Kommunikationsmedien deutlich überlegen. Daran ist nichts verwerflich oder gesetzeswidrig – ganz im Gegenteil: Werbung ist in einer Marktwirtschaft ein unverzichtbarer Motor des Wettbewerbs!

Weitere Informationen zu Werbeartikeln unter Compliance Aspekten finden Sie im GWW Leitfaden „Compliance“.